Versicherung für Amazon Seller
Amazon verlangt von Ihnen eine Haftpflichtversicherung, und zwar mit Bedingungen, die viele Standardpolicen nicht erfüllen. Wer die Vorgaben nicht genau trifft, bekommt seine Bestätigung nicht akzeptiert.
Die Pflicht und ihre Details
Seit Juli 2024 verlangt Amazon von Verkäufern eine Betriebshaftpflicht, sobald der Bruttoumsatz in einem Monat 5.000 Euro übersteigt. Das ist eine niedrige Schwelle, und sie gilt unabhängig davon, ob Sie Hersteller, Importeur oder reiner Wiederverkäufer sind.
Entscheidend sind aber nicht die 5.000 Euro, sondern die Anforderungen an die Police selbst. Vier Punkte, an denen es in der Praxis scheitert:
- Amazon muss als zusätzlicher Versicherter im Schein stehen. Nicht erwähnt, sondern eingetragen. Das ist der häufigste Grund für eine abgelehnte Bestätigung
- Die Selbstbeteiligung darf eine festgelegte Grenze nicht überschreiten. Wer eine hohe Selbstbeteiligung vereinbart hat, um Beitrag zu sparen, erfüllt die Vorgabe nicht
- Die Deckung muss alle Produkte umfassen, die Sie dort anbieten. Auch die, die Sie letzte Woche neu gelistet haben
- Die Deckungssumme muss den Vorgaben je Marktplatz entsprechen. Wer in mehreren Ländern verkauft, muss alle Anforderungen erfüllen
Wer die Nachweise nicht liefert, riskiert Einschränkungen bis zur Sperrung des Verkäuferkontos.
Warum das kein Formalismus ist
Die Pflicht hat einen Grund. Wenn Ihr Produkt jemanden verletzt, geht der Geschädigte nicht zum Hersteller in Fernost. Er geht zu demjenigen, der es in den Verkehr gebracht hat.
Und das sind Sie, sobald Sie einführen, unter eigener Marke verkaufen oder Produkte verändern. Rechtlich stehen Sie dann wie ein Hersteller da, mit allen Folgen.
Amazon möchte in solchen Fällen nicht allein haften. Deshalb die Pflicht, deshalb der Eintrag als zusätzlicher Versicherter.
Wenn das Konto steht
Die Haftpflicht ist Pflicht. Existenzbedrohend ist meistens etwas anderes.
Ein gesperrtes Verkäuferkonto bedeutet: kein Umsatz, kein Zugriff auf die Auszahlungen, und Ihre Ware liegt im Lager, ohne dass Sie sie verkaufen können. Gleichzeitig laufen Ihre Verbindlichkeiten weiter.
Die Auslöser sind vielfältig: ein Verstoß gegen Richtlinien, ein Vorwurf einer Markenrechtsverletzung, eine Häufung negativer Bewertungen, ein Produktsicherheitsthema, manchmal auch ein Fehler des Systems.
Das lässt sich nicht versichern. Es gibt keine Police gegen eine Kontosperrung, und wer Ihnen etwas anderes verspricht, sollte genau erklären, was er meint.
Was stattdessen hilft
Diversifikation. Wer ausschließlich über einen Marktplatz verkauft, hat ein Klumpenrisiko, das keine Versicherung auffängt. Ein eigener Shop, ein zweiter Marktplatz, ein Vertriebsweg außerhalb der Plattform.
Und Liquidität. Wer drei Monate ohne Auszahlungen überstehen kann, ist in einer anderen Lage als jemand, der auf den wöchentlichen Zahlungslauf angewiesen ist.
Das ist keine Versicherungsfrage, aber es gehört in ein ehrliches Gespräch über Ihre Risiken. Wir sagen Ihnen lieber, wo wir nicht helfen können, als Ihnen etwas zu verkaufen, das die Lücke nicht schließt.
- Produkthaftung einschließlich Aus- und Einbaukosten
- Rückrufkosten für ganze Chargen
- Warenlager, auch bei einem Dienstleister
- Ware auf dem Transport, hin und zurück
- Cyberangriff auf Ihre eigenen Systeme
- Vermögensschäden, etwa bei Datenabfluss
- Zahlungsausfall größerer Abnehmer im B2B-Geschäft
- Rechtsschutz bei Abmahnungen und Streitigkeiten
Die typischen Lücken
Diese Punkte finden wir bei Marktplatzhändlern regelmäßig.
- Die Police erfüllt Amazons Anforderungen formal nicht, etwa weil der Eintrag als zusätzlicher Versicherter fehlt
- Die Selbstbeteiligung liegt über der zulässigen Grenze
- Erfasst ist nur Handel, obwohl importiert und unter eigener Marke verkauft wird
- Keine Rückrufkostendeckung, obwohl Serienprodukte vertrieben werden
- Die Ware im Lager des Dienstleisters ist nicht abgesichert
- Die Lagersumme ist auf den Durchschnitt gerechnet, nicht auf das Weihnachtsgeschäft
- Akkugeräte im Sortiment wurden nie gemeldet
- Cyber fehlt, obwohl der gesamte Betrieb an Systemen hängt
- Reine Vermögensschäden sind nicht eingeschlossen, etwa bei einem Datenabfluss
- Weitere Marktplätze und Länder sind nicht abgedeckt
Was Händler uns fragen
Ab wann brauche ich die Versicherung?
Amazon verlangt sie, sobald Ihr Bruttoumsatz in einem Monat die festgelegte Schwelle übersteigt. Sie liegt bei 5.000 Euro und ist damit schnell erreicht.
Die Pflicht gilt unabhängig davon, ob Sie Hersteller, Importeur oder reiner Wiederverkäufer sind. Für Wiederverkäufer verlangt Amazon in Schadenfällen zusätzlich Unterlagen, die den Hersteller identifizieren. Heben Sie also Rechnungen und Herstellernachweise auf.
Warum wurde unsere Versicherungsbestätigung abgelehnt?
In den meisten Fällen aus einem von drei Gründen: Amazon ist nicht als zusätzlicher Versicherter eingetragen, die Selbstbeteiligung ist zu hoch, oder die Deckung umfasst nicht alle angebotenen Produkte.
Diese Punkte stehen in den Vorgaben, werden aber von Standardpolicen häufig nicht erfüllt. Schicken Sie uns Ihre Unterlagen, dann sehen wir nach, woran es hakt.
Wir importieren aus Asien. Haften wir für Produktfehler?
In der Regel ja. Wer Ware von außerhalb der EU einführt und hier in Verkehr bringt, wird haftungsrechtlich wie ein Hersteller behandelt. Dasselbe gilt beim Verkauf unter eigener Marke.
Der Regress gegen einen Lieferanten in Fernost ist in der Praxis selten durchsetzbar. Deshalb muss Ihre Police die Rolle als Importeur abbilden, nicht nur den Handel. Das ist ein anderer Vertrag und ein anderer Beitrag.
Ist unsere Ware im Lager des Dienstleisters versichert?
Nicht automatisch. Die Ware gehört Ihnen, liegt aber auf fremdem Gelände. Was der Dienstleister im Schadenfall leistet, steht in seinen Bedingungen und ist häufig begrenzt.
Für Ihre eigene Absicherung braucht es eine Regelung, die Ware bei Dritten ausdrücklich erfasst. Wichtig ist dabei die Summe: Im Herbst liegt oft ein Vielfaches dessen im Lager, was im Frühjahr dort war.
Kann man sich gegen eine Kontosperrung versichern?
Nein, und das sagen wir Ihnen lieber offen. Es gibt keine Police, die Ihnen Umsatz ersetzt, weil Ihr Verkäuferkonto gesperrt wurde.
Was hilft, ist etwas anderes: mehrere Vertriebswege statt nur einem, und genug Liquidität, um mehrere Monate ohne Auszahlungen zu überstehen. Das ist keine Versicherungsfrage, aber es ist die ehrliche Antwort auf Ihr größtes Risiko.
Was ändert sich durch die neue Produktsicherheitsverordnung?
Die Anforderungen an Kennzeichnung, Rückverfolgbarkeit und Dokumentation steigen. Unter anderem braucht es für viele Produkte eine verantwortliche Person innerhalb der EU.
Für Ihre Absicherung heißt das: Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Produktthema in Anspruch genommen zu werden, steigt. Und die Frage nach Rückrufkosten wird wichtiger, weil ein Rückruf ein Vielfaches des Warenwerts kostet.
Was kostet das?
Für kleinere Händler bewegen sich die Beiträge im überschaubaren Bereich, oft deutlich unter dem, was viele erwarten. Entscheidend sind Umsatz, Produktkategorie und Deckungssumme.
Teuer wird es bei riskanten Kategorien: Elektrogeräte, Kinderartikel, Kosmetik, Nahrungsergänzung, alles mit Akku. Dort ist die Prämie höher, und genau dort brauchen Sie die Deckung am dringendsten.
Erfüllt Ihre Police die Vorgaben?
Schicken Sie uns die Unterlagen, wir gleichen sie ab. Kostenlos und unverbindlich.