Kautionsversicherung statt Bankbürgschaft
Jede Bürgschaft, die Ihre Bank stellt, verkleinert Ihren Spielraum für Material, Löhne und Vorfinanzierung. Bei einem Betrieb mit mehreren laufenden Projekten ist das der Grund, warum der nächste Auftrag nicht mehr geht.
Das Problem mit der Kreditlinie
Viele Auftraggeber verlangen Sicherheiten. Bei öffentlichen Aufträgen ist es die Regel, im Bau ohnehin, und zunehmend auch in Industrie und Anlagenbau.
Wenn Ihre Bank diese Bürgschaften stellt, tut sie das über einen Avalkredit. Und der wird auf Ihre Kreditlinie angerechnet, obwohl kein Geld fließt.
Praktisch bedeutet das: Sie haben eine Linie über eine bestimmte Summe, und ein wachsender Teil davon ist durch Bürgschaften belegt, die drei, fünf oder bei Gewährleistung auch mal länger laufen.
Was übrig bleibt, ist Ihr Spielraum für alles andere. Material einkaufen, Löhne vorstrecken, eine Maschine finanzieren, einen Auftrag vorfinanzieren.
Und weil Gewährleistungsbürgschaften lange laufen, staut sich das an. Ein Betrieb, der über Jahre gut gearbeitet hat, kann irgendwann keinen weiteren Auftrag annehmen, weil die Sicherheiten aus abgeschlossenen Projekten die Linie blockieren.
Wie eine Kautionslinie das löst
Ein Kautionsversicherer stellt dieselben Bürgschaften wie die Bank, nur außerhalb Ihrer Kreditlinie. Er gibt Ihnen eine eigene Linie, aus der er Avale ausstellt.
Für den Auftraggeber ändert sich nichts. Er bekommt eine Bürgschaftsurkunde und ist gesichert. Ob dahinter eine Bank oder ein Versicherer steht, spielt in aller Regel keine Rolle, solange die Anforderungen erfüllt sind.
Für Sie ändert sich, dass Ihre Bankverbindung frei bleibt für das, wofür sie eigentlich da ist.
Das ist keine Versicherung für Sie
Der Name führt in die Irre, und dieses Missverständnis kann teuer werden.
Eine Kautionsversicherung schützt nicht Sie, sondern Ihren Auftraggeber. Sie ist eine Kreditleihe, keine Risikoabsicherung.
Wenn Ihr Auftraggeber die Bürgschaft zieht, weil er einen Mangel geltend macht, dann zahlt der Kautionsversicherer an ihn. Und anschließend holt er sich das Geld bei Ihnen zurück.
Genau so funktioniert auch eine Bankbürgschaft. Es ist kein Nachteil der Kautionsversicherung, sondern das Wesen einer Bürgschaft.
Warum das trotzdem wichtig ist
Weil manche Unternehmer annehmen, mit einer Bürgschaft sei ein Risiko abgedeckt. Ist es nicht. Wenn Sie mangelhaft geleistet haben, zahlen Sie am Ende, nur eben über den Umweg.
Und deshalb ist die Frage entscheidend, wie die Bürgschaft formuliert ist.
Der Unterschied bei den Bedingungen
Eine Bürgschaft auf erstes Anfordern muss sofort ausgezahlt werden, wenn der Auftraggeber sie zieht. Einwendungen kommen erst danach, in einem Rückforderungsprozess, den Sie führen müssen.
Eine selbstschuldnerische Bürgschaft ohne diesen Zusatz erlaubt es, berechtigte Einwendungen vorher geltend zu machen.
Der Unterschied ist erheblich, und Auftraggeber verlangen gern die erste Variante. Ob das durchsetzbar ist, hängt vom Einzelfall und der Vertragsgestaltung ab. Diese Frage gehört auf den Tisch, bevor Sie unterschreiben.
Was ein Kautionsversicherer sehen will
Die Prüfung ähnelt einer Kreditprüfung, weil es im Kern dasselbe ist: Jemand gibt Ihnen Kredit, ohne Geld auszuzahlen.
- Jahresabschlüsse der letzten zwei bis drei Jahre
- Aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertung
- Auftragsbestand und Auslastung
- Bisherige Bürgschaften und ob je eine gezogen wurde
- Struktur der Auftraggeber, öffentlich oder privat
- Bei größeren Linien auch die Planung
Je besser die Zahlen, desto größer die Linie und desto günstiger die Provision. Das ist wenig überraschend.
Was Sie beeinflussen können
Mehr, als viele denken. Ein Betrieb, der seine Zahlen zeitnah vorlegt, Nachträge sauber dokumentiert und erklären kann, warum ein Jahr schlechter lief, wird anders bewertet als einer, der eine Bilanz nachreicht, die anderthalb Jahre alt ist.
Und: Wer nie eine gezogene Bürgschaft hatte, sollte das aktiv erwähnen. Das ist das stärkste Argument, das Sie haben.
Wann Sie darüber nachdenken sollten
Nicht erst, wenn die Linie voll ist. Bis eine Kautionslinie eingerichtet ist, vergehen Wochen, weil Unterlagen geprüft werden.
Wer sie einrichtet, wenn er sie noch nicht dringend braucht, verhandelt aus einer besseren Position. Wer sie braucht, weil ein Auftrag sonst nicht geht, hat die schlechtere.
Was Betriebe uns fragen
Akzeptiert unser Auftraggeber eine Versicherungsbürgschaft?
In aller Regel ja. Für den Begünstigten zählt, dass er eine wirksame Bürgschaftsurkunde eines geeigneten Bürgen hat.
Bei öffentlichen Auftraggebern und in vielen Bauverträgen ist ausdrücklich geregelt, welche Bürgen zulässig sind. Kautionsversicherer erfüllen diese Anforderungen üblicherweise. Prüfen Sie den konkreten Vertrag, bevor Sie wechseln, und lassen Sie sich das im Zweifel bestätigen.
Ist die Kautionsversicherung günstiger als die Bank?
Nicht unbedingt, und darum geht es meist auch nicht. Die Provisionen liegen je nach Bonität in ähnlichen Bereichen.
Der Wert liegt woanders: Ihre Kreditlinie bleibt frei. Was Ihnen das bringt, hängt davon ab, was Sie damit anfangen. Ein Betrieb, der wegen gebundener Linie einen Auftrag ablehnen muss, verliert deutlich mehr als die Provisionsdifferenz.
Was passiert, wenn eine Bürgschaft gezogen wird?
Der Bürge zahlt an Ihren Auftraggeber und holt sich das Geld anschließend bei Ihnen. Das ist bei einer Bank genauso.
Wichtig ist die Formulierung: Bei einer Bürgschaft auf erstes Anfordern wird sofort gezahlt, und Sie müssen das Geld hinterher zurückfordern. Ohne diesen Zusatz können berechtigte Einwendungen vorher geltend gemacht werden. Klären Sie das vor der Unterschrift, nicht im Streitfall.
Können wir beides haben, Bank und Kautionsversicherer?
Ja, und das ist häufig die beste Lösung. Sie behalten Ihre Bankverbindung und richten daneben eine Kautionslinie ein.
Der praktische Nutzen ist Unabhängigkeit. Wenn ein Anbieter die Linie kürzt oder zurückhaltender wird, sind Sie nicht handlungsunfähig. Bei Betrieben, die stark von Sicherheiten abhängen, ist das ein eigener Wert.
Wie lange dauert die Einrichtung?
Rechnen Sie mit einigen Wochen. Der Versicherer prüft Ihre Zahlen ähnlich wie eine Bank, und das braucht Zeit.
Deshalb der Rat: Richten Sie die Linie ein, bevor Sie sie dringend brauchen. Wer unter Zeitdruck anfragt, weil ein Auftrag sonst platzt, verhandelt schlechter und muss unter Umständen mit einer kleineren Linie starten.
Unsere Bilanz sieht gerade nicht gut aus. Geht das trotzdem?
Möglicherweise, aber es hängt am Einzelfall und an der Darstellung. Ein Jahr mit einem Verlust ist etwas anderes als eine Entwicklung über drei Jahre.
Was hilft: Erklären Sie die Zahlen, statt sie nur einzureichen. Ein einmaliger Sondereffekt, ein Großprojekt mit verschobener Abrechnung, eine Investition, die sich noch nicht auszahlt. Wer das nachvollziehbar darstellt und aktuelle Zahlen dazu liefert, wird anders bewertet. Genau diese Darstellung bereiten wir mit Ihnen vor.
Wie viel Ihrer Kreditlinie ist durch Bürgschaften belegt?
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