Was kostet eine D&O-Versicherung?
Für eine kleinere GmbH oft ein niedriger vierstelliger Betrag im Jahr. Aber der Preis ist bei D&O selten die entscheidende Größe. Zwei andere Punkte sind es.
Womit Sie ungefähr rechnen können
Wie immer gilt: Eine Zahl ohne Kenntnis des Unternehmens ist wenig wert. Als grobe Orientierung, was wir im Markt sehen:
- Kleinere GmbH mit überschaubarer Bilanzsumme und einer Million Deckung: niedriger vierstelliger Bereich im Jahr
- Mittelständisches Unternehmen mit mehreren Organen und höherer Summe: mittlerer bis hoher vierstelliger Bereich
- Unternehmen mit USA-Bezug, in regulierten Branchen oder nach Schäden: darüber, teils deutlich
Was den Beitrag bestimmt
Die Bilanzsumme ist meist die wichtigste Größe, nicht der Umsatz. Sie zeigt, worüber die Geschäftsführung entscheidet.
Die Branche. Wer in einem regulierten Umfeld arbeitet oder kapitalintensiv wirtschaftet, wird anders bewertet.
Die Zahl der versicherten Personen. Geschäftsführer, Prokuristen, gegebenenfalls Beirat oder Aufsichtsrat.
Auslandsbezug. Besonders die USA. Tochtergesellschaften oder Niederlassungen dort verändern die Bewertung erheblich.
Die wirtschaftliche Lage. Bei angespannter Bilanz sehen Versicherer genauer hin, weil die Insolvenz der häufigste Auslöser für Ansprüche ist.
Und die Deckungssumme, die weniger stark durchschlägt als erwartet.
- Jahresabschlüsse der letzten zwei bis drei Jahre
- Gesellschafterstruktur und Beteiligungen
- Zahl und Funktion der Organe
- Auslandsgesellschaften, falls vorhanden
- Angaben zu laufenden oder drohenden Verfahren
Der erste Punkt, der wichtiger ist als der Preis
Die Rückwärtsdeckung.
Ansprüche gegen Geschäftsführer entstehen selten aus einer Entscheidung von gestern. Sie entstehen, wenn etwas schiefgeht, und dann sieht jemand rückwärts nach, was in den Jahren davor passiert ist.
Eine Police ohne Rückwärtsdeckung erfasst nur Pflichtverletzungen ab Vertragsbeginn. Alles, was Sie in den letzten Jahren entschieden haben, wäre nicht gedeckt, obwohl genau daraus die Ansprüche kommen.
Prüfen Sie deshalb: Ist eine Rückwärtsdeckung vereinbart, und wie weit reicht sie zurück? Voraussetzung ist dabei stets, dass Ihnen die Pflichtverletzung bei Abschluss nicht bekannt war.
Der zweite: Die Summe gehört nicht Ihnen allein
Das überrascht viele. Die Deckungssumme steht allen versicherten Personen gemeinsam zur Verfügung, nicht jedem einzeln.
Wenn nach einer Insolvenz drei Geschäftsführer und zwei Prokuristen in Anspruch genommen werden, teilen sie sich dieselbe Summe. Und die Abwehrkosten laufen aus demselben Topf.
Bei mehreren Organen sind zwei Millionen deshalb nicht zwei Millionen für Sie, sondern zwei Millionen für alle zusammen.
Das ist der Punkt, an dem Deckungssummen unbemerkt zu klein werden, besonders wenn ein Unternehmen gewachsen ist und weitere Organe hinzugekommen sind.
Bei Gesellschaften mit mehreren Geschäftsführern gibt es dafür Lösungen, etwa eine zusätzliche Deckung, die einer einzelnen Person vorbehalten ist. Ob sich das lohnt, hängt von der Struktur ab.
Brauchen Sie überhaupt eine?
Das ist bei D&O die ehrlichere Frage als die nach dem Preis. Und die Antwort hängt nicht an der Unternehmensgröße, sondern daran, wer Ansprüche stellen könnte.
Alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer
Dann werden Sie sich nicht selbst verklagen. Die klassische Innenhaftung spielt praktisch keine Rolle.
Zwei Fälle bleiben: Ansprüche von außen, etwa wegen nicht abgeführter Sozialabgaben oder Steuern, und die Insolvenz. Ein Insolvenzverwalter prüft die Geschäftsführung gründlich, und das ist eine Lage, in der Sie sich eine Verteidigung nicht mehr leisten können.
Mehrere Gesellschafter
Hier ist die Sache klarer. Wenn ein Gesellschafter meint, ein anderer habe der Gesellschaft geschadet, entstehen Ansprüche. Solche Auseinandersetzungen sind teuer, unabhängig vom Ausgang.
Angestellte Geschäftsführung
Wer jemanden als Geschäftsführer anstellt, sollte die Deckung stellen. Für gute Kandidaten ist das ein Verhandlungspunkt, und das ist nachvollziehbar: Niemand übernimmt gern unbegrenzte persönliche Haftung für ein Gehalt.
Beirat oder Aufsichtsrat
Wenn ein solches Gremium existiert, gehören dessen Mitglieder ausdrücklich mitversichert. Sie haften ebenfalls, oft ohne es zu wissen.
Was Geschäftsführer zum Beitrag fragen
Wonach richtet sich der Beitrag?
Vor allem nach der Bilanzsumme, nicht nach dem Umsatz. Dazu kommen Branche, Zahl der versicherten Organe, Auslandsbezug und die wirtschaftliche Lage.
Die Deckungssumme wirkt weniger stark, als viele annehmen. Der Sprung von einer auf drei Millionen kostet deutlich weniger als das Dreifache, weil im oberen Bereich seltener geleistet wird.
Warum ist die Deckungssumme so wichtig?
Weil sie allen versicherten Personen gemeinsam zur Verfügung steht, nicht jedem einzeln. Das wissen die wenigsten.
Werden nach einer Insolvenz mehrere Organe in Anspruch genommen, teilen sie sich dieselbe Summe, und die Abwehrkosten laufen aus demselben Topf. Bei mehreren Geschäftsführern sollte die Summe deshalb höher liegen als bei einer Einzelperson.
Was ist Rückwärtsdeckung und warum brauchen wir sie?
Sie erfasst Pflichtverletzungen, die vor Vertragsbeginn liegen und Ihnen bei Abschluss nicht bekannt waren.
Das ist entscheidend, weil Ansprüche gegen Geschäftsführer typischerweise rückwärts entstehen: Etwas geht schief, und dann prüft jemand die Entscheidungen der letzten Jahre. Ohne Rückwärtsdeckung wäre genau das nicht versichert.
Ich scheide als Geschäftsführer aus. Was gilt dann?
Ihre Haftung endet nicht mit dem Ausscheiden. Ansprüche können Jahre später geltend gemacht werden.
Läuft die Police der Gesellschaft weiter, ist das meist unproblematisch. Wird sie gekündigt oder die Gesellschaft aufgelöst, stehen Sie ohne Schutz da. Klären Sie die Nachhaftung, bevor Sie gehen, und lassen Sie sie in der Aufhebungsvereinbarung festhalten.
Lohnt sich ein Selbstbehalt?
Bei GmbH-Geschäftsführern ist er verhandelbar und senkt den Beitrag spürbar. Er betrifft in aller Regel nur die Innenhaftung, also Ansprüche der eigenen Gesellschaft.
Bedenken Sie aber, dass Sie ihn im Ernstfall privat tragen. Wählen Sie eine Höhe, die Sie ohne Weiteres aufbringen können, nicht die maximal mögliche.
Wir haben eine angespannte Bilanz. Bekommen wir überhaupt ein Angebot?
Es wird schwieriger, aber nicht unmöglich. Versicherer sehen bei angespannter Lage genauer hin, weil die Insolvenz der häufigste Auslöser für Ansprüche ist.
Was hilft, ist eine offene Darstellung: woran es liegt, was unternommen wurde, wie die Planung aussieht. Wer Zahlen kommentiert statt sie nur einzureichen, bekommt andere Antworten. Wir bereiten das mit Ihnen auf.
Wie viele Personen wären bei Ihnen versichert?
Danach richtet sich die Summe, nicht nach dem Beitrag. Wir rechnen es mit Ihnen durch.