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Cyberversicherung für Unternehmen

Viele Unternehmen haben eine Cyberversicherung. Ob sie im Ernstfall auch zahlt, ist eine andere Frage. Denn der Schutz ist an Bedingungen geknüpft, und genau daran scheitern derzeit sehr viele Schadenfälle.

40 % der Cyber-Schadenfälle werden abgelehnt, überwiegend wegen falscher Angaben im Fragebogen oder nicht erfüllter Obliegenheiten
27 % der kleinen und mittleren Unternehmen wurden innerhalb eines Jahres von Ransomware getroffen
30.000 Unternehmen in Deutschland fallen nach Schätzungen unter die neuen NIS-2-Pflichten

Das Problem ist nicht der Vertrag

Die meisten Cyberversicherungen sind inhaltlich gut. Sie zahlen für Wiederherstellung, Spurensuche, Betriebsausfall, Haftung und Kommunikation. Daran liegt es selten.

Das Problem ist ein anderes. Vor dem Abschluss füllen Sie einen langen Fragebogen zu Ihrer IT aus. Was Sie dort ankreuzen, wird Teil des Vertrags. Sie sagen damit zu, dass bestimmte Schutzmaßnahmen bei Ihnen laufen.

Im Schadenfall prüft der Versicherer, ob das auch stimmt. Und zwar jede einzelne Angabe.

Ein Beispiel: Sie haben angekreuzt, dass Zugänge mit einem zweiten Faktor gesichert sind, also etwa mit einer App auf dem Handy zusätzlich zum Passwort. Nach dem Angriff stellt sich heraus, dass beim Fernzugang genau das gefehlt hat. Dann wird es schwierig. Nicht weil der Versicherer unfair ist, sondern weil er den Vertrag auf Basis dieser Angabe gemacht hat.

Nach Branchenzahlen wird derzeit rund jeder zweite bis dritte Cyberschaden abgelehnt. Eine so hohe Quote gibt es in keiner anderen Sparte.

Was Sie daraus mitnehmen sollten

Eine Cyberversicherung ist nichts, was man abschließt und dann ablegt. Sie ist eine Abmachung darüber, wie Sie Ihre IT betreiben. Ändert sich daran etwas, muss der Vertrag nachziehen.

Und der Fragebogen ist der wichtigste Teil davon. Er sollte nicht von jemandem ausgefüllt werden, der die IT nur ungefähr kennt.

Der praktischste Rat auf dieser Seite Füllen Sie den Risikofragebogen einmal ehrlich aus, ohne ihn abzuschicken. Aus jeder Nein-Antwort ergibt sich Ihre Aufgabenliste. Erst wenn diese Liste abgearbeitet ist, stellen Sie den Antrag. Dann bekommen Sie bessere Konditionen und haben im Ernstfall tatsächlich Deckung.
Sie müssen es beweisen können Im Schadenfall müssen Sie zeigen, dass die zugesagten Maßnahmen wirklich gelaufen sind. Deshalb ist es wichtig, sie zu dokumentieren. Was nicht aufgeschrieben ist, zählt im Zweifel nicht.
Voraussetzungen

Was Versicherer heute verlangen

Das erwarten heute fast alle Versicherer. Wer diese Punkte nicht erfüllt, bekommt entweder keinen Vertrag oder einen, der im Ernstfall nicht hilft.

Zweiter Faktor beim Anmelden Neben dem Passwort noch eine Bestätigung, etwa über eine App auf dem Handy. Nötig für alle Zugänge von außen, für E-Mail und vor allem für Administratoren. Der Punkt, der am häufigsten geprüft wird.
Getrennte Konten für Administratoren Wer die Systeme verwaltet, benutzt dafür ein eigenes Konto und nicht dasselbe wie für E-Mails und Alltagsarbeit. Klingt selbstverständlich, ist es in der Praxis oft nicht.
Sicherungskopien nach klarer Regel Drei Kopien Ihrer Daten, auf zwei verschiedenen Speichern, eine davon außer Haus, eine, die niemand überschreiben kann. Und regelmäßig testen, ob sich alles zurückholen lässt.
Getesteter Rücksicherungsvorgang Ein Backup, das nie zurückgespielt wurde, ist kein Backup. Versicherer fragen inzwischen nach dem letzten dokumentierten Test.
Aktuelles Patch-Management Sicherheitsaktualisierungen zeitnah und dokumentiert. Nicht wenn gerade Zeit ist, sondern nach einem festgelegten Prozess.
Moderner Schutz auf den Rechnern Ein klassisches Virenprogramm reicht nicht mehr. Verlangt wird Software, die verdächtiges Verhalten erkennt und selbst eingreift. Im Fachjargon heißt das EDR.
Notfallplan, der geübt wurde Wer macht was in den ersten Stunden, wer wird informiert, wer entscheidet? Ein Plan im Ordner zählt nicht, ein durchgespielter schon.
Getrennte Netzbereiche Damit sich ein Angriff nicht durch das ganze Haus frisst. Besonders wichtig, wenn Maschinen am selben Netz hängen wie die Bürorechner.
Schulung der Mitarbeiter Der überwiegende Teil der Angriffe beginnt mit einer E-Mail. Regelmäßige, dokumentierte Schulungen sind deshalb Standardanforderung.
Die gute Nachricht Wer den zweiten Faktor beim Anmelden, modernen Schutz auf den Rechnern und einen getesteten Notfallplan nachweisen kann, bekommt derzeit deutlich bessere Konditionen als Betriebe ohne. Der Aufwand lohnt sich also doppelt: mehr Sicherheit und ein niedrigerer Beitrag.
Neu seit Dezember 2025

NIS-2 und was das für Ihre Versicherung bedeutet

Das deutsche NIS-2-Umsetzungsgesetz ist seit Dezember 2025 in Kraft. Nach Schätzungen fallen rund 30.000 Unternehmen in Deutschland darunter, deutlich mehr als unter die frühere Regelung.

Betroffen sind nicht nur klassische kritische Infrastrukturen, sondern auch Betriebe aus Produktion, Abfallwirtschaft, Logistik, Lebensmittel und weiteren Bereichen ab bestimmten Größenschwellen. Und indirekt trifft es Zulieferer, weil größere Auftraggeber Nachweise verlangen.

Für die Versicherung ist das aus zwei Gründen wichtig. Viele Versicherer setzen die Einhaltung dieser Vorgaben inzwischen voraus. Wer sie ignoriert, riskiert also nicht nur Bußgelder, sondern auch den Versicherungsschutz.

Der praktische Zusammenhang Was NIS-2 verlangt, ist zu großen Teilen dasselbe, was Versicherer ohnehin fordern: zweiter Faktor beim Anmelden, aktuelle Updates, aufgeschriebene Abläufe, klare Meldewege. Wer beides getrennt angeht, macht die Arbeit zweimal. Sinnvoller ist, die NIS-2-Umsetzung als Grundlage zu nehmen und die Police darauf aufzusetzen.
Auch für die Geschäftsführung relevant NIS-2 sieht eine persönliche Verantwortung der Leitungsebene für die Umsetzung vor. Das ist ein Punkt, der in die Betrachtung der D&O gehört, nicht nur in die IT-Abteilung.
Leistungen

Was eine Cyberversicherung zahlt

Die Bausteine unterscheiden sich zwischen den Anbietern erheblich. Diese gehören in eine belastbare Deckung.

Ausfall des eigenen Betriebs Der wichtigste Punkt überhaupt. Ersetzt den entgangenen Gewinn und die Kosten, die weiterlaufen, solange nichts geht. Schauen Sie darauf, ab wann und wie lange gezahlt wird.
Wiederherstellung von Daten und Systemen Kosten für die technische Wiederherstellung, oft der größte Einzelposten neben der Betriebsunterbrechung.
Spurensuche und Krisenhilfe Fachleute, die herausfinden, was passiert ist, und den Angriff stoppen. Gute Verträge stellen dafür ein Team bereit, das rund um die Uhr erreichbar ist.
Haftung gegenüber Dritten Wenn Kundendaten abfließen oder Sie über Ihre Systeme Schaden bei anderen verursachen. Einschließlich der Abwehr unberechtigter Ansprüche.
Folgen für den Datenschutz Wen Sie informieren müssen, Rechtsberatung, Kosten eines Verfahrens. Bußgelder selbst lassen sich je nach Rechtslage nur eingeschränkt versichern.
Krisenkommunikation Was sagen Sie Kunden, Lieferanten, Mitarbeitern und gegebenenfalls der Presse? Wer das improvisiert, macht den Schaden größer.
Betrug und Untreue Schäden durch eigene Mitarbeiter oder durch Maschen wie die gefälschte Zahlungsanweisung des Chefs. Nicht überall enthalten, aber häufiger nötig als gedacht.
Erpressung Die Deckung von Lösegeldzahlungen ist rechtlich und praktisch heikel und wird von Versicherern unterschiedlich gehandhabt. Prüfen Sie den Wortlaut genau.
Mehrkosten Alles, was Sie zusätzlich aufwenden, um den Betrieb aufrechtzuerhalten: Ersatzgeräte, externe Kräfte, Überstunden.
Grenzen

Was auch eine gute Versicherung nicht zahlt

Damit keine falsche Erwartung entsteht: Es gibt Bereiche, die der Markt nicht abdeckt oder nur eingeschränkt.

  • Staatlich zugerechnete Angriffe. Kriegsähnliche und staatlich gesteuerte Cyberoperationen sind in aller Regel ausgeschlossen. Die Abgrenzung ist umstritten und Gegenstand laufender Rechtsstreitigkeiten.
  • Systemische Großereignisse. Ein Ausfall, der gleichzeitig Tausende Unternehmen trifft, sprengt die Kapazität des Marktes.
  • Bekannte, ungepatchte Schwachstellen. Wer eine Sicherheitslücke seit Monaten kennt und nichts tut, hat schlechte Karten.
  • Schäden vor Vertragsbeginn. Angreifer sind oft Wochen im Netz, bevor etwas auffällt. Der Zeitpunkt des Eindringens kann entscheidend sein.
  • Fehlende IT-Sicherheit. Eine Cyberversicherung ersetzt keine Absicherung, sie ergänzt sie. Wer nichts investiert, bekommt keinen Vertrag.
Häufige Fragen

Was Unternehmen dazu fragen

Was kostet eine Cyberversicherung?

Der Beitrag hängt von Branche, Umsatz, Deckungssumme, Selbstbehalt und vor allem vom Sicherheitsniveau ab. Für mittelständische Betriebe werden in Veröffentlichungen Größenordnungen im niedrigen bis mittleren vierstelligen Bereich pro Jahr genannt, bei größeren Unternehmen deutlich mehr.

Das ist eine Orientierung, keine Zusage. Entscheidend ist: Betriebe mit nachweisbaren Sicherheitsmaßnahmen zahlen erheblich weniger als Betriebe ohne. Der Unterschied ist größer als in jeder anderen Sparte.

Warum werden so viele Cyber-Schäden abgelehnt?

Überwiegend aus zwei Gründen: falsche oder ungenaue Angaben im Risikofragebogen und die Verletzung von Obliegenheiten, also von Maßnahmen, die im Vertrag zugesagt wurden.

Häufig geschieht das nicht in böser Absicht. Jemand füllt den Fragebogen aus, der die IT nur ungefähr kennt, oder die Maßnahme war einmal umgesetzt und ist im Alltag eingeschlafen. Im Schadenfall wird das dann geprüft, und die Beweislast liegt beim Unternehmen.

Wir haben eine gute IT. Brauchen wir dann überhaupt eine Versicherung?

Gerade dann. Eine gute IT senkt die Wahrscheinlichkeit, aber sie schließt einen erfolgreichen Angriff nicht aus. Und die Kosten eines ernsten Vorfalls liegen selten nur in der Technik.

Der größte Posten ist meist die Betriebsunterbrechung, dazu kommen Forensik, Rechtsberatung, Benachrichtigungspflichten und Krisenkommunikation. Diese Kosten entstehen unabhängig davon, wie gut Ihre Systeme sind.

Betrifft uns NIS-2?

Das hängt von Branche, Größe und Umsatz ab. Betroffen sind deutlich mehr Unternehmen als früher, unter anderem aus Produktion, Abfallwirtschaft, Logistik, Lebensmittel und Chemie ab bestimmten Schwellen.

Auch wenn Sie nicht direkt betroffen sind, kann es Sie indirekt treffen, weil größere Auftraggeber Nachweise von ihren Zulieferern verlangen. Ob die Pflicht für Sie gilt, sollten Sie rechtlich prüfen lassen. Für die Versicherungsfrage schauen wir uns an, wie sich Ihr Status auf die Versicherung auswirkt.

Zahlt die Versicherung ein Lösegeld?

Das wird von Versicherern sehr unterschiedlich gehandhabt und ist auch rechtlich nicht unproblematisch. Manche Verträge schließen es ein, andere ausdrücklich aus, wieder andere knüpfen es an Bedingungen wie die vorherige Abstimmung mit dem Krisenteam.

Wichtiger als die Frage nach dem Lösegeld ist ohnehin die Wiederherstellung. Wer funktionierende, getestete Backups hat, ist auf eine Zahlung meist gar nicht angewiesen.

Wie hoch sollte die Deckungssumme sein?

Rechnen Sie von den Kosten her: Was kostet ein Tag Stillstand in Ihrem Betrieb? Wie lange würde die Wiederherstellung dauern? Was kämen an Forensik, Rechtsberatung und Kommunikation dazu?

Diese Rechnung führt bei den meisten Betrieben zu einer höheren Summe als der, die sie ursprünglich im Kopf hatten. Wir machen sie mit Ihnen konkret.

Ist unsere Produktionstechnik mitversichert?

Nicht automatisch, und das ist ein wichtiger Punkt. Viele Verträge sind auf die normale Büro-IT zugeschnitten. Wenn bei Ihnen Maschinensteuerungen, Waagen, Sortieranlagen oder Gebäudetechnik am Netz hängen, muss das ausdrücklich einbezogen sein.

Gleichzeitig stellt sich die Abgrenzung zur Sach- und Betriebsunterbrechungsversicherung. Ein Schaden an einer Anlage kann in beide Sparten fallen oder in keine. Genau diese Nahtstelle prüfen wir mit.

Wie lange dauert der Abschluss?

Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, geht es vergleichsweise schnell, oft innerhalb weniger Wochen. Der Zeitbedarf liegt selten beim Versicherer, sondern bei der Vorbereitung.

Deshalb unser Vorschlag: Wir gehen den Fragebogen zuerst gemeinsam durch, bevor er irgendwo eingereicht wird. Was dabei auffällt, lässt sich meist mit überschaubarem Aufwand beheben.