Industrieversicherung für den Mittelstand
Ab einer gewissen Größe hört das Standardgeschäft auf. Dann geht es nicht mehr um Tarife, sondern um Risikodarstellung, Kapazität und Verhandlung. Genau dort arbeiten wir.
Wann ein Risiko industriell wird
Die Grenze verläuft nicht bei einer bestimmten Mitarbeiterzahl. Sie verläuft dort, wo ein Risiko nicht mehr in ein Formular passt.
Industrielle Risiken haben drei Eigenschaften, die sie vom Gewerbegeschäft unterscheiden:
- Hohes Schadenpotenzial bei geringer Eintrittswahrscheinlichkeit. Es passiert selten etwas, aber wenn, geht es um Beträge, die kein Betrieb aus eigener Kraft trägt.
- Hohe Komplexität. Mehrere Standorte, verkettete Prozesse, Abhängigkeiten von einzelnen Anlagen oder Zulieferern.
- Häufig grenzüberschreitende Tätigkeit, mit Betriebsstätten, Lieferungen oder Montagen im Ausland.
Für solche Risiken gibt es keine Tarife. Jeder Vertrag wird individuell gezeichnet, auf Basis der Unterlagen, die der Versicherer bekommt. Das ist der entscheidende Unterschied zum Gewerbegeschäft, und daraus folgt alles Weitere.
Woran industrielle Ausschreibungen scheitern
Wenn ein Betrieb dieser Größenordnung keine oder nur schlechte Angebote bekommt, liegt es fast nie am Risiko selbst. Es liegt an einem dieser Punkte:
- Die Unterlagen erlauben keine Beurteilung, also lehnt der Underwriter ab
- Die Anfrage landet bei Häusern, die diese Betriebsart gar nicht zeichnen
- Das Risiko wurde parallel unkoordiniert angefragt und ist am Markt verbrannt
- Es fehlt die Zeit, weil zu spät begonnen wurde
- Es fehlt jemand, der beim Versicherer über die Poststelle hinauskommt
- Der Betrieb ist über das Gewerbegeschäft hinausgewachsen
- Eine Betriebsunterbrechung würde existenziell wirken
- Der Versicherer hat gekündigt oder saniert
- Eine Bank oder ein Großkunde verlangt Nachweise
- Ein neuer Standort oder eine große Investition steht an
- Nach einem Großschaden ist die Lage neu zu ordnen
Die Risikodarstellung entscheidet
Ein Underwriter beurteilt nicht Ihren Betrieb. Er beurteilt die Unterlage, die vor ihm liegt. Zwei Betriebe mit identischem Risiko bekommen unterschiedliche Ergebnisse, je nachdem wie das Risiko dargestellt wurde.
1. Risikoaufnahme vor Ort
Wir sehen uns den Betrieb an: Gebäude, Bauweise, Prozesse, Anlagen, Lagerung, Brandabschnitte, Löschtechnik, Zufahrten, Organisation. Bei Risiken dieser Größenordnung geht das nicht per Fragebogen.
2. Werte ermitteln
Gebäude, technische Anlagen, Vorräte, Waren. Und für die Betriebsunterbrechung die Frage, wie sich Ihr Deckungsbeitrag zusammensetzt und wie lange ein Wiederanlauf realistisch dauert. Diese Zahl ist wichtiger als jede andere.
3. Prävention bewerten
Was ist vorhanden, was ist dokumentiert, was fehlt? Häufig zeigt sich hier, dass mit überschaubarem Aufwand eine deutlich bessere Ausgangslage erreichbar ist. Wir sagen Ihnen vorher, welche Maßnahme den größten Hebel hat.
4. Unterlage erstellen
Lagepläne, Brandabschnitte, Mengen, Materialien, Anlagenbeschreibung, Schutzkonzept, Nachweise, Schadenhistorie mit Ursachenanalyse und den getroffenen Maßnahmen. Diese Unterlage ist das eigentliche Produkt unserer Arbeit.
5. Markt gezielt ansprechen
Nicht per Serienanfrage, sondern bei den Häusern, die für Ihre Betriebsart Zeichnungsbereitschaft haben, und dort bei den Menschen, die entscheiden. Diese Wege sind über Jahrzehnte gewachsen.
6. Verhandeln und strukturieren
Deckungssummen, Sublimits, Selbstbehalte, Haftzeiten, Auflagen, Ausschlüsse. Und falls ein einzelner Versicherer die Summe nicht allein tragen will, die Verteilung auf mehrere Beteiligte.
- Lageplan mit Brandabschnitten und Nutzungen
- Bauweise, Baujahr, Dachaufbau
- Prozessbeschreibung und Anlagentechnik
- Mengen, Materialien, Brandlasten
- Brandschutzkonzept: baulich, anlagentechnisch, organisatorisch
- Wartungs-, Prüf- und Schulungsnachweise
- Schadenhistorie mit Ursachen und Konsequenzen
- Werteermittlung nach Positionen
- Abhängigkeiten von Zulieferern und Kunden
Woraus ein industrielles Programm besteht
Anders als im Gewerbegeschäft werden die Sparten nicht nebeneinander gestellt, sondern aufeinander abgestimmt. Die Lücken entstehen an den Nahtstellen.
Was uns Zugang verschafft
Im Industriegeschäft entscheidet nicht, wie viele Versicherer man theoretisch anschreiben könnte. Es entscheidet, wer die Anfrage liest und ernst nimmt.
Verbindungen, die nicht kurzfristig entstehen
Bernd Mathiessen ist seit 1991 im Geschäft. In dieser Zeit wachsen Beziehungen bis in die Vorstände der Gesellschaften. Diese Wege ersetzen kein Fachwissen, aber sie sorgen dafür, dass eine schwierige Anfrage geprüft statt abgelehnt wird.
Konsortiallösungen über unsere Genossenschaft
Als Mitglied der VEMA Versicherungsmakler Genossenschaft haben wir Zugang zu Konsortialkonzepten, bei denen sich mehrere große Versicherer die Kapazität teilen. Damit lassen sich Deckungssummen darstellen, die ein einzelnes Haus für mittelständische Risiken nicht allein zeichnen würde.
Die Bereitschaft, Arbeit zu investieren
Eine ordentliche Risikodarstellung kostet mehrere Tage. Viele Vermittler machen das nicht, weil es sich für sie nicht rechnet. Genau deshalb erbringen wir diese Leistung für Mandanten und nicht als kostenlose Vorlage.
Was Underwriter derzeit besonders prüfen
Der Markt bewegt sich. Diese Themen tauchen in Ausschreibungen inzwischen regelmäßig auf und sollten vorbereitet sein.
- Lithium-Ionen im Betrieb. Lager, Ladeinfrastruktur, Flurförderzeuge, Speicher. Eines der derzeit kritischsten Einzelthemen. Mehr dazu auf unserer Seite Batterielager
- Photovoltaik auf dem Dach. Von manchen Versicherern als risikoerhöhend bewertet, je nach Aufbau und Brandschutzkonzept
- Lieferkettenabhängigkeit. Rückwirkungsschäden durch Ausfall bei Zulieferern oder Abnehmern, ein Thema, das viele Verträge nicht abbilden
- Cyber in der Produktionstechnik. Vernetzte Steuerungen sind längst Teil des Sachrisikos, nicht nur der IT
- PFAS und Chemikalienthemen. Werden als potenzielles systemisches Risiko beobachtet, Definitionen und Ausschlüsse verändern sich
- Naturgefahren. Elementardeckung wird selektiver vergeben, Zonierung und Objektschutz gewinnen an Bedeutung
- Bewertung von KI-gestützten Prozessen. Wo Entscheidungen automatisiert getroffen werden, stellt sich die Frage nach Haftung und Zurechnung neu
Was Unternehmer dazu fragen
Ab welcher Größe brauchen wir eine Industrieversicherung?
Es gibt keine feste Schwelle. Entscheidend ist nicht die Mitarbeiterzahl, sondern ob Ihr Risiko in ein Standardformular passt. Sobald Werte, Abhängigkeiten oder Prozesse eine individuelle Betrachtung verlangen, wird es industriell.
Praktische Anhaltspunkte: mehrere Standorte, Anlagen mit hohem Wiederbeschaffungswert, Abhängigkeit von einzelnen Maschinen, erhöhte Brandlasten, Export oder Betriebsstätten im Ausland. Wenn zwei oder mehr davon zutreffen, lohnt das Gespräch.
Wie lange dauert eine industrielle Ausschreibung?
Rechnen Sie mit sechs bis zwölf Wochen, bei komplexen Anlagen auch mit drei Monaten. Die Zeit geht für Risikoaufnahme, Werteermittlung, Aufbereitung der Unterlagen, Rückfragen der Versicherer, teilweise Besichtigungen vor Ort und die Verhandlung der Bedingungen drauf.
Deshalb der dringende Rat: Beginnen Sie früh. Wer drei Monate Vorlauf hat, kann verhandeln und mehrere Wege parallel verfolgen.
Was ist eine Konsortiallösung?
Wenn ein einzelner Versicherer die benötigte Versicherungssumme nicht allein tragen will, teilen sich mehrere Häuser das Risiko mit festen Quoten. Ein führender Versicherer übernimmt die Bearbeitung und den Kontakt, die anderen beteiligen sich anteilig.
Für Sie ändert sich im Alltag nichts, Sie haben weiterhin einen Ansprechpartner. Solche Konstruktionen sind aufwendiger einzurichten, aber bei hohen Summen oder schwierigen Risiken häufig der einzige Weg zu einer ausreichenden Deckung.
Wie bemisst man die Haftzeit der Betriebsunterbrechung?
Indem man ehrlich durchrechnet, wie lange es dauern würde, wieder auf dem alten Stand zu sein. Räumung und Entsorgung, Gutachten, Genehmigungsverfahren, Ausschreibung, Bau, Lieferzeiten für Anlagentechnik, Inbetriebnahme und das Wiederanfahren der Kundenbeziehungen.
Bei genehmigungsbedürftigen Anlagen kommt man dabei erfahrungsgemäß deutlich über die üblichen zwölf Monate. Diese Rechnung machen wir mit Ihnen konkret, statt eine Standardzahl zu übernehmen. Sie ist die wichtigste Zahl im ganzen Programm.
Lohnt sich ein höherer Selbstbehalt?
Bei industriellen Risiken häufig ja. Wer Kleinschäden selbst trägt, bekommt für die großen Risiken oft bessere Konditionen oder überhaupt erst Kapazität.
Entscheidend ist, dass die Höhe zu Ihrer Liquidität und Ihrer Schadenhistorie passt. Wir rechnen das mit Ihnen durch, inklusive der Frage, wie viele Schäden Sie in den letzten fünf Jahren tatsächlich gemeldet haben.
Wir bekommen aktuell keine Angebote. Können Sie helfen?
Häufig ja, aber wir versprechen es nicht. Wenn ein Risiko am Markt schwierig ist, liegt es oft an der Darstellung oder an fehlenden Zugängen. Manchmal ist es in der jetzigen Form aber tatsächlich nicht platzierbar.
Was wir zusagen: eine ehrliche Einschätzung, welche Wege realistisch sind, bevor Sie Zeit investieren. Mehr dazu auf unserer Seite Schwer versicherbare Risiken.
Betreuen Sie auch Betriebe außerhalb Norddeutschlands?
Ja. Unser Hauptsitz ist Neumünster, wir betreuen Mandanten aber bundesweit. Bei industriellen Risiken spielt die Entfernung eine untergeordnete Rolle, weil es auf Zugänge und Fachwissen ankommt.
Zur Risikoaufnahme kommen wir zu Ihnen. Das lässt sich bei dieser Größenordnung nicht am Schreibtisch erledigen.