Versicherung für kunststoffverarbeitende Betriebe
Kaum eine Branche hat ein so ungünstiges Verhältnis von Brandlast zu Löschbarkeit. Deshalb ziehen sich Versicherer zurück. Und deshalb entscheidet hier die Risikodarstellung mehr als anderswo.
Warum der Markt bei Ihnen zögert
Ihr Rohstoff ist im Kern verarbeitetes Erdöl. Granulat, Halbzeuge und Fertigware setzen bei einem Brand sehr viel Energie frei, brennen schnell und lassen sich mit Wasser schlecht löschen, weil Schmelze weiterläuft.
Dazu kommt die Rauchentwicklung. Kunststoffbrände erzeugen dichten, giftigen Rauch, der ganze Hallen kontaminiert. Auch Bereiche, die vom Feuer nie erreicht wurden, sind danach oft nicht mehr nutzbar, weil Ruß und Chloride Elektronik und Metall angreifen.
Für den Versicherer heißt das: Ein lokaler Brand wird schnell zum Totalschaden. Genau deshalb steht Ihre Branche auf der Liste der schwer versicherbaren Bereiche.
Die typischen Zündquellen
- Heizbänder und Düsen an Spritzgießmaschinen und Extrudern. Sie arbeiten dauerhaft bei hohen Temperaturen, direkt am brennbaren Material
- Hydrauliköl unter Druck. Ein Leck erzeugt einen feinen Nebel, der sich an heißen Flächen entzündet. Eine der gefährlichsten Konstellationen überhaupt
- Staub in Mühlen und Absaugungen bei der Aufbereitung von Regranulat
- Elektrische Defekte in Schaltschränken und Temperiergeräten
- Heißarbeiten bei Instandhaltung, oft direkt neben Materiallager
- Selbstentzündung in Silos mit Regranulat und Mahlgut
Was Versicherer heute verlangen
Für die Lagerung brennbarer Kunststoffe gibt es eigene Regelwerke. Wer diese Punkte belegen kann, bekommt Angebote. Wer nicht, bekommt Absagen.
Die typischen Lücken
Diese Punkte finden wir in dieser Branche fast immer.
- Werkzeuge und Formen sind nicht gesondert bewertet, obwohl sie den größten Engpass beim Wiederanlauf darstellen
- Kundenwerkzeuge, die bei Ihnen lagern, sind nirgends geregelt. Wer haftet, wenn sie verbrennen?
- Die Haftzeit der Betriebsunterbrechung berücksichtigt nicht die Lieferzeit für neue Formen
- Rußschäden an nicht direkt betroffenen Bereichen sind zu knapp bemessen
- Produkthaftpflicht ohne Rückrufdeckung, obwohl Teile in Endprodukte eingebaut werden
- Aus- und Einbaukosten fehlen, also die Kosten, die entstehen, wenn ein fehlerhaftes Teil beim Kunden getauscht werden muss
- Betriebsbeschreibung erwähnt neue Verfahren nicht, etwa eine hinzugekommene Mühle oder eine Lackierung
- Regranulat und Mahlgut sind bei der Wertermittlung vergessen worden
- Auslandsdeckung fehlt, obwohl exportiert wird
Was Betriebe uns dazu fragen
Warum bekommen wir kaum noch Angebote?
Weil Ihre Branche eine hohe Brandlast mit schwerer Löschbarkeit verbindet. Ein lokaler Brand wird durch Schmelze und Rauch schnell zum Totalschaden. Nach mehreren Großschadenjahren haben sich viele Versicherer zurückgezogen.
Was hilft, ist eine vollständige Risikodarstellung mit Lageplan, Brandabschnitten, Mengen, Schutzkonzept und Nachweisen. Damit lassen sich Häuser gezielt ansprechen, die diese Betriebsart noch zeichnen.
Sind unsere Werkzeuge mitversichert?
Meist nur im Rahmen der allgemeinen Inhaltssumme, ohne eigene Bewertung. Das reicht selten, weil Formen sehr hohe Werte haben und die Wiederbeschaffung Monate dauert.
Wir bewerten Formen gesondert und regeln zusätzlich, wie mit Kundenwerkzeugen umgegangen wird, die bei Ihnen lagern. Letzteres ist eine der häufigsten offenen Fragen in dieser Branche.
Was ist mit Rußschäden in Bereichen, die nicht gebrannt haben?
Das ist bei Kunststoffbränden der eigentliche Kostentreiber. Ruß und Chloride verteilen sich über die gesamte Halle, greifen Elektronik und Metall an und machen Ware unbrauchbar.
Ob und in welchem Umfang das gedeckt ist, steht in den Bedingungen und unterscheidet sich erheblich. Wir prüfen genau diesen Punkt, weil er im Schadenfall über sechsstellige Beträge entscheidet.
Wir liefern Teile für Endprodukte. Was brauchen wir zusätzlich?
Eine erweiterte Produkthaftpflicht. Sie deckt unter anderem die Kosten, die entstehen, wenn ein fehlerhaftes Teil beim Kunden ausgebaut und ersetzt werden muss, und Schäden, die beim Weiterverarbeiten entstehen.
Wenn Ihre Teile in Serienprodukte gehen, kommt eine Rückrufkostendeckung dazu. Ein Rückruf kostet ein Vielfaches des Auftragswerts und ist in der Standarddeckung nicht enthalten.
Wie lang sollte die Haftzeit sein?
Länger als in den meisten anderen Branchen. Zur Bauzeit kommen die Lieferzeit für Maschinen und, entscheidend, die Herstellung neuer Werkzeuge. Formen sind Einzelanfertigungen mit langen Vorlaufzeiten.
Wer alles zusammenrechnet, landet regelmäßig bei achtzehn bis vierundzwanzig Monaten oder darüber. Zwölf Monate reichen praktisch nie.
Lohnt sich eine Investition in Brandschutz?
In dieser Branche mehr als in fast jeder anderen. Der Abstand zwischen einem gut geschützten und einem ungeschützten Betrieb ist bei Prämie und Zeichnungsbereitschaft erheblich.
Bevor Sie investieren, sollten Sie aber wissen, welche Maßnahme den größten Hebel hat. Manchmal ist es die bauliche Trennung, manchmal die Funkenerkennung, manchmal nur konsequente Ordnung. Wir stimmen das mit dem Versicherer ab, bevor Geld fließt.
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